Wir üben uns in Flexibilität
- buehlerj1
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Beim körperlichen Flexiblerwerden im Yoga-Retreat entschieden wir uns, nun auszutesten, ob wir in Sachen Reisestil auch flexibler werden können.
Auch wenn wir seit dem Iran aus verschiedenen Gründen (Visumsablauf, Zwangseskorte, geschlossene Überlandgrenzen....) immer mal wieder gewisse Strecken nicht zu Fuss reisen konnten, waren wir dennoch fast ausschliesslich wandernd unterwegs. Indien zeigte uns nun die bittere Realität, die wir zwar ahnten, aber nicht wahrhaben wollten, ziemlich deutlich auf. In Süd- bzw. Süd-Ost-Asien können wir diesen hauptsächlichen zu-Fuss-Reisestil nicht weiterführen - auf jeden Fall nicht mit Freude. Wir standen also vor der Entscheidung: in Süd-Ost-Asien bleiben und öfter Verkehrsmittel benutzen oder anderswo weiterhin hauptsächlich wandernd unterwegs sein.
Der Reiz Süd-Ost-Asiens und die aktuell perfekte Wettersaison haben uns ziemlich schnell von ersterer Variante überzeugt. Und schon stand die nächste Entscheidung an: in Indien bleiben oder nach sieben Wochen weiter in Richtung Osten ziehen?
Auch da waren wir uns rasch einig. Indien ist ein spannendes, auf gewisse Weise auch ein faszinierendes Land. Wir sind froh und dankbar, es erlebt und mit eigenen Augen gesehen zu haben. Doch die wenigen Orte, die uns tatsächlich noch interessieren würden, liegen in diesem gigantischen Land einfach zu weit auseinander. Wir wollen uns zwar für die öffentlichen Verkehrsmittel öffnen, aber in mehrfach tagelangen Busfahrten sollte es dennoch nicht gerade enden. Ausserdem fühlten wir uns in Indien nicht gleich wohl wie in den meisten anderen Ländern, die wir in den letzten 4.5 Jahren durchreisen durften. In erster Linie wegen des permanent extremen Smogs. Aber auch mit den Menschen wurden wir nicht wirklich warm. Natürlich haben wir sehr liebenswerte Inder kennengelernt und unsere Herzen wurden einige Male von ihnen berührt. Aber auf der Strasse haben wir sie grundsätzlich entweder als unglaublich nervig-aufdringlich oder aber als äusserst verächtlich erlebt. Der indische Rassismus war für uns leider immer mal wieder spürbar.
Ausserdem: wir vermissten die lächelnden Menschen.
Indien führte uns Tag für Tag aufs Neue die (weltweit existierende) gesellschaftliche Ungleichheit vor Augen. Das indische, extrem offensichtliche Ausmass dieser sozialen Schere war immer wieder erschütternd.
Auf der einen Seite wird Indien als viertgrösste Wirtschaftsmacht der Welt dargestellt und auf der anderen Seite sieht man nach wie vor unfassbar viel Armut und Elend auf den Strassen.
Natürlich liegt das unter anderem auch an der hohen Anzahl Menschen, die mangels entsprechender Ausbildung in der IT-Branche keinen Job finden. Aber genau diese Branche ist ganz besonders für den hohen BIP verantwortlich. Doch in meinen Augen erklärt dieser Grund dennoch nicht die Tatsache, dass das reichste Prozent der Bevölkerung 40% des Vermögens Indiens besitzt. Da scheint auch viel anderes schief zu laufen. Aber was verstehe ich schon...
Wohin hat es uns denn nun verschlagen?
Wir sind seit dem 26. Januar in Thailand - dem Land des Lächelns. Und mit Freude können wir dieses Klischee bestätigen :)
Durch Reiseforen und durch andere Reisende wurden wir im Vorfeld gewarnt: Bangkok wird versmogt, dreckig und chaotisch sein. Nun denn, wir stellten uns auf ein "Indien light" ein und wurden überrascht von sauberen Strassen, klarer Luft, Ordnung und rücksichtsvollen Menschen. Das war doch schon mal eine schöne und entspannte Ankunft.
Nach ein paar Tagen in Bangkok ging es zunächst für eine Woche ins buddhistische Meditationszentrum Sorntawee. Das erste Mal zu zweit! Nach all den Jahren wollte Caro nun selber einmal erfahren was mich am Dhamma-Weg so sehr fasziniert. Was für ein Liebesbeweis :)
Die meditative Ruhe war nach all dem indischen Lärm für unseren Geist auf jeden Fall eine Wohltat.
Morgen geht's nun Richtung Norden nach Chiang Mai. Ob wir da wohl frei wandern und zelten können? Wir sind gespannt! Die Informationen dazu sind jedenfalls sehr unterschiedlich.
Gespannt sind wir auch, ob uns unser neuer Reisestil gefallen wird oder ob die naturliebenden Wandervögel in uns in Kürze rebellieren werden. Was denkt ihr? Wie viele Wochen oder Monate gebt ihr uns?

