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Und immer wieder das Wasser

Unzählige Male habe ich schon Lobeshymnen auf das Wasser niedergeschrieben und trotzdem dreht sich in diesem Beitrag erneut alles um das kostbare Nass.


Seit bald 2.5 Jahren ist es für uns keine Selbstverständlichkeit mehr, den Wasserhahn aufdrehen zu können und jederzeit Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Und dennoch sind wir im Vergleich zu Millionen anderen Menschen nach wie vor in einer ausserordentlich privilegierten Situation. Es wird hie und da vielleicht etwas kritisch, doch ernsthaft und über lange Zeit mussten wir noch nie an Durst leiden. Durch unsere Erfahrungen können wir uns vielleicht annähernd, ansatzweise vorstellen wie ein Leben im dauernden Kampf um genügend Wasser sein muss. Schrecklich!


Unser heutiges Tagesendziel war eine Quelle inmitten des Nirgendwo, weit weg von der Zivilisation.

In Zypern wurden wir bis jetzt ziemlich verwöhnt. Es gibt viele öffentliche Trinkbrunnen, die auf unserer Wanderkarte auch relativ zuverlässig eingetragen sind. Als wir heute jedoch während Stunden an ausgetrockneten Bächen und einem fast leeren See entlangwanderten, sagte unser Bauchgefühl, dass die besagte Quelle trocken sein wird. Also umplanen. Wenn wir nochmals acht Kilometer anhängen, kommen wir auf einen offiziellen Wanderweg, auf welchem ein Brunnen vermerkt ist. Der wird ziemlich sicher zuverlässiger sein, als die Quelle in der Wildnis. Nun gut, obwohl die Rucksäcke heute ausserordentlich schwer sind - wir müssen für mehrere Tage Proviant mitschleppen - wählen wir die Variante mit den Zusatzkilomentern.

Ihr ahnt es vielleicht schon... aus dem Brunnen kam kein Tropf Wasser! Und juppie, dunkel wird's ab 17.00 auch schon! Aber was wosch? Stirnlampe montieren und weiter geht's! In einer guten Stunde sollte ein weiterer Brunnen kommen. Und tatsächlich, unsere "Nachtwanderung" nimmt ein Ende, wir dürfen endlich die schweren Rucksäcke abstellen und die Füsse ausruhen lassen, denn es fliesst Wasser! Juhee, Zelt aufstellen!

Ich bin noch am Schlafsack auspacken, als ich Caros "wosch mi verarsche?!" unten am Brunnen vernehme. Nach einer halben Flasche ist es bereits vorbei mit unserer Freude.


Es sind perfekte Momente, das Leben anzunehmen wie es halt gerade ist. Wir haben in einer solchen Situation die Möglichkeit wütend zu werden und in Selbstmitleid zu versinken. Oder wir üben uns in Gelassenheit und nutzen die emotionale Energie für die konstruktive Lösungssuche. Natürlich können wir das auch nicht "einfach so". Aber je mehr wir solche Gelegenheiten zum kultivieren dieser Einstellungen nutzen, desto häufiger gelingt es uns auch.


Jetzt liegen wir mit gestilltem Durst im Zelt und freuen uns über die vier vollen 1.5-Liter-Flaschen Wasser in unseren Rucksäcken.



Weitere Bilder siehe Galerie.

245 Ansichten2 Kommentare

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2 Comments


christoph.gysel
christoph.gysel
Nov 17, 2023

Das tönt wie in der Bibel, wo aus Wasser Wein wurde - bei euch sind aus einer halben grad 4 Flaschen geworden 😀 erfreulich. Das "Wie" würde mich schon noch wunder nehmen.

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buehlerj1
buehlerj1
Nov 18, 2023
Replying to

Die Magie der Wandervögel ;)

Nein, ganz unspektakulär hab ich mir unsere leeren Flaschen geschnappt und bin nochmals ohne Rucksack losgezogen bis ich Wasser gefunden habe :)

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